Wieder beliebt: Stahlmöbel im Bauhaus-Stil

100 Jahre Bauhaus – nein, nicht die hiesige Baumarktkette, sondern die 1919 in Weimar gegründete, 1925 nach Dessau umgezogene und 1933 aufgelöste Designschule feiert den internationalen Ursprung der Moderne: Unsere ikarus…design story versucht eine kurzweilige Übersicht!

von

Maren Tünker

Veröffentlicht am:

February 14, 2019 00:00

Lesezeit: ca.

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2019 ist es soweit: Das legendäre Bauhaus feiert 100 Jahre Bestehen. 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen, haben sich die innovativen und durch und durch praktischen Designentwürfe der Bauhaus-Zeit in ihrer zeitlosen Ästhetik weltweit durchgesetzt. Unser ikarus...design blog stellt neben den bewährten Designklassikern auch frisches Design vor.

Thonet Designklassiker im Büro: S 43 Freischwinger Stuhl von Mart Stam vor S 285 Schreibtisch  und B 9 Beistelltisch von Marcel Breuer. Foto: © Thonet

Das Bauhaus in Weimar – die wilde Gründungszeit

Warum Walter Gropius die später weltberühmte Architektur- und Kunstschule in Weimar am 1. April 1919 gründet, fußt auf zwei wesentliche Gründe: Erstens ist die Kleinstadt nah und doch fern der Wirren und Unruhen in der Hauptstadt Berlin, zweitens entsteht hier nicht aus dem Nichts eine neue Schule. Vielmehr vereint Walter Gropius mit seinem Vorstoß die ehemalige Großherzogliche Kunsthochschule und das 1902 vom belgischen Designer und Architekten Henry van der Velde gegründete Kunstgewerbliche Seminar. Letzterer schlug als Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes, der die Zusammenarbeit zwischen Kunst, Handwerk und Industrie fördert, Walter Gropius als seinen Nachfolger vor. Statt aber nur die Nachfolge anzutreten, zieht die neue Architektur- und Kunstschule mit einem neuen Ansatz in das von Henry van de Velde gebaute Gebäude. In seinem Manifest fordert Walter Gropius, »junge Menschen aus aller Welt zu einem Bau der Zukunft zu befähigen«, Kunst und Handwerk als eine Einheit zu sehen, Lehre und Praxis Hand in Hand greifen zu lassen. Die Bauhaus Werkstätten – von Atelier und Bühne, Druckerei, Schreinerei, Töpferei, Weberei bis zu der Metallwerkstatt – entwickelten sich zu Orten der Experimente, Diskussionen, Auslegungen von der Rolle der Kunst, des Handwerks und der Gemeinschaft, führten nicht nur zu neuen Gesichtspunkten in Design, Form, Farbe und Materialien sondern auch zu gesellschaftsreformerischen Ideen.

Marcel Breuer gibt die Vorlage zum B9 Beistelltisch, die Thonet in weitere erfolgreiche Design-Entwürfe wie den S 411 Sessel und Hocker wandelt. Foto: © Thonet

Fruchtbare aber schwierige Zeiten in Weimar und Dessau

Um die neuen Gedankenansätze auch wirkungsvoll umzusetzen, will das »Bauhaus« schon früh Hersteller in den Forschungs- und Gestaltungsprozess einbeziehen. Aber die meisten Hersteller sind in den schwierigen Zeiten nicht so wagemutig, kämpfen eher mit dem wirtschaftlichen Überleben. Nur wenige können von sich behaupten, eng mit den »Bauhäuslern« zusammengearbeitet zu haben wie L&C stendal oder das Frankenberger Unternehmen Thonet, die bis heute originalgetreu die Entwürfe von Mart Stam, Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe umsetzen. Vielmehr schlummern heute bekannte »Bauhaus« Designklassiker jahrelang in den Archiven bis sie wiederentdeckt und neu veröffentlicht werden.

Thonet stattet den zeitlos modernen S 32 Freischwinger Stuhl und S 64 Armlehnstuhl von Marcel Breuer mit luftigem Wiener Geflecht aus. Foto: © Thonet

Designklassiker der »Bauhaus«-Ära

Vor allem die minimal und technisch geprägten Stahlmöbel von Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe, die Thonet originalgetreu herstellt, ziehen den Blick auf sich: Auch wenn kaum einer sich unter der Bezeichnung »S33« oder »B9« ein klares Abbild des Designs in Erinnerung rufen kann – der Freischwinger bzw. der Satztisch ist jedem bekannt, der sich ein wenig mit Design auseinandersetzt. Neben den innovativen Stahlmöbel-Entwürfen wirkt sich aber vor allem in den 1920er und 1930er Jahren die Elektrifizierung auf die einhergehende Entwicklung der Leuchten aus. Schon 1924 entwirft Wilhelm Wagenfeld seine innovative Tischleuchte, ein klares Design aus geradlinigem Fuß, rundem Sockel und abschirmender Glasglocke. Die aufwändige Herstellung von Mund geblasener Gläser fordert dagegen Bauhaus-Meister Christian Dell heraus, reine Metallleuchten für Kaiser Leuchten – heute unter Fritz Hansen laufend – zu gestalten, die ab den 1930er Jahren ihren Erfolg vor allem in Büros und Werkstätten feiern.

1924 entwirft Wilhelm Wagenfeld seine innovative Tischleuchte, die seit den 1980er Jahren originalgetreu von Tecnolumen wieder hergestellt wird. Foto: © Tecnolumen

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Kaiser idell 6631 Pendelleuchte
Farbe: weiß | Größe: Option 1
Kaiser idell Leuchten-Serie. Authentisches Bauhaus-Design, kreiert vom Silberschmied Christian Dell, der in den frühen 1920er Jahren als Werkmeister in der Metallwerkstatt am Bauhaus in Weimar wirkte. Der griffige Namensbeisatz setzt sich als Kurzform aus »Idee« von »Dell« zusammen. Produziert wurden seine Leuchten ab 1936 bis weit in die 1960er Jahre hinein von der »Lampenfabrik Kaiser & Co.«, die stets – und somit auch heute von dem dänischen Hersteller Fritz Hansen – mit dem markanten Namen als Logo auf dem Fassungsdom geprägt sind. Und dieser ausgeprägte Fassungsdom springt jedem Betrachter prompt ins Auge, unter dem sich immer eine traditionelle Lampenfassung (E27) versteckt, die selbsttätig mit einem Leuchtmittel der Wahl (max. 60 W) bestückt werden muss. Fritz Hansen liefert die Reedition der Pendelleuchte und Luxus Tischleuchte mit einem glänzenden bzw. matten Außenlack in diversen Farben, während der Innenschirm – der Konstruktion folgend – mit einem reflektierenden Weißlack ausgestattet ist. Kaiser idell 6631 Pendelleuchte. Die Hängelampe der Leuchten-Serie mit der Kennnummer 6631 besticht mit einem zentral angeordneten Fassungsdom über einem breitkrempigen Lampenschirm. Das schwarze Textilkabel der Zuleitung (300 cm) kann bei Bedarf am Baldachin gekürzt werden.

278,00 € 429,00 €

Eileen Gray und ihre Designklassiker für ClassiCon: Adjustable E1027 Beistelltisch, Bibendum Sessel und Tube Light Stehleuchte. Foto: © ClassiCon, Elias Hassos

Eileen Gray und Le Corbusier

Vergessen wollen wir weder die irische Grand Dame des modernen Designs noch die französischen Designikone – auch wenn weder Eileen Gray noch Le Corbusier am »Bauhaus« in Weimar oder Dessau verweilten. Jedoch verbanden die Zwei eine Freundschaft mit mehreren »Bauhäuslern«, ließen sich vom frühen »Bauhaus« und seinem neuen Designansatz inspirieren und verfolgten somit die gleiche Stilrichtung klar strukturierter Möbel, Leuchten und Accessoires aus meist verchromtem Stahl. Es war wohl die Zeit, sich endlich vom Pomp der vergangenen Jahrhunderte zu distanzieren und der fortschrittlichen Industrialisierung zu folgen. Eileen Grays »Adjustable Table E1027« Beistelltisch und »Tube Light« Stehleuchte von ClassiCon wurden in ihrer Entstehungszeit ungläubig begutachtet, finden aber heute neben Sessel und Sofa ihren begehrten Platz.

Wire Regal von Verner Panton, neu veröffentlicht von Montana. Foto: © Montana

Die weitere Entwicklung der Moderne

Der langsame aber nie abschwellende Siegeszug des innovativen Designs der 1920er bis 1930er Jahre fungiert bis heute als Stanze für neue Designentwürfe geradliniger Stahlmöbel, Leuchten und Accessoires: In den 1950er Jahren entwirft der »Bauhaus«-Absolvent Max Bill Uhren für Junghans, Egon Eiermann seinen »Eiermann-Stuhl« für Wilde + Spieth. Angefixt an der Universität durch »Bauhaus«-Emigranten konstruieren Ray & Charles Eames ihren »Wire Chair« für Vitra. Auch die Dänen entdecken den neuartigen Gedankenansatz: Poul Henningsen entwickelt für Louis Poulsen schlichte, aber faszinierende Metallleuchten. Vor allem die verchromten Leuchten der »PH4/3« und »PH2/1« Serien von Louis Poulsen lassen sich hervorragend mit Stahlmöbeln der Bauhaus Ära kombinieren. Dagegen hat Verner Panton mit seinem »Wire« Regalelement weniger Glück: Erst jetzt im Laufe des Erfolgs der Stahlmöbel greift die dänische Marke Montana das Verner Panton Design wieder auf.

Poul Henningsen ließ sich in den 1950er Jahren vom immer noch bestimmenden Bauhaus Stil seiner Lehrjahre beeinflussen. Seine berühmte und stets beliebte PH5 Pendelleuchte zeichnet sich nicht nur als Blickfang über einem Esstisch aus, sondern lässt das Licht blendfrei und in der Lichtfarbe verändert durch die die Abblendungen strahlen. Foto: © Louis Poulsen

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